Wildunger Quellen

Ich weiß eine Stadt wohl im deutschen Land,
gesegnet von Gottes, des Güt’gen, Hand.
Die birget ein Kleinod hell und rein,
viel besser als Silber und Edelgestein!
Das Kleinod: die Quellen, die Stunde um Stund‘
Erquickung uns spenden aus felsigem Grund.

Umschützt und umheget von Bergen hehr,
gebettet, getaucht in ein Wäldermeer:
da sprudeln die Quellen klar und rein,
sie lindern die Schmerzen, sie heben die Pein;
es quillt neues Leben, es strömt neuer Mut
herauf aus der Tiefe in perlender Flut.

Und Tausende kommen, so siech und krank,
zu schlürfen den heilenden Wundertrank.
Sie schlürfen so froh das hehre Gut,
Gesundheit und Frohsinn aus perlender Flut;
Sie danken dem Schöpfer in stillem Gebet,
des Odem die Wildunger Quellen umweht.
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Christian Fleischhauer in "Aus der waldeckischen Heimat" Heft 3, 1924